Meine Schwangerschaft & die Geburt mit MS

08.01.2016 Lena ❤

Ich weiß gar nicht so recht wie ich anfangen soll.. Von der Schwangerschaft erfuhr ich erst in der 9 Woche !! Klar alle denken sich so „ja als ob“ und kp was aber ganz ehrlich ??

Ich war frisch examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, habe als „Krankenschwester“ auf Station angefangen. Habe am Wochenende getrunken und ich habe geraucht. Ich hab nicht an Kinder gedacht bzw nein, ich hab immer an Kinder gedacht aber jetzt hat es einfach nicht gepasst. Meine Periode ?? Naja, ich hatte leichte gaaaanz leichte Schmierblutungen, aber hej ich war glücklich. Welche Frau freut sich nicht, dass die Periode nach 2-3 Tagen vorbei ist und fast gar nicht präsent. In sehr stressigen Situationen hatte ich meine Periode gar nicht, zur Abi Zeit fiel sie 3 Monate aus, deswegen hab ich mir nichts gedacht.

Ich hatte viel stress, mein erster Job als ausgelernte „Krankenschwester“ und dann kam meine Schwiegermama auf die Onkologie, in dem Krankenhaus in dem ich angefangen habe zu arbeiten. Sie hatte MammaCA ( Brustkrebs ) und schon Metastasen. Sie war leider schon in einem sehr schlechtem Zustand, leider hat sie unsere Tochter nie kennen lernen dürfen… Aber sie hat noch ein Ultraschallbild von meiner kleinen sehen können.

Wir waren damals im Krankenzimmer, mein Mann, meine Schwiegermutter und meine Mama. Ich hab damals allen drein auf einmal die „frohe Botschaft“ verkündet.

Die Schwangerschaft ?? Die Schwangerschaft war ein Traum, mir ging es wunderbar. Ok, mir ging es zu gut. Mir ging es so gut, dass ich die MS und alles was ich mir so hart erarbeitet habe ( Gewichtsabnahme, Ernährungsumstellung und Sport ) komplett aus den Augen verloren habe. Ich habe echt viel zugenommen, am Ende wog ich über 110kg !! ich aß für 2 ?? Nein, 3 oder 4 ! Wieso ? Ich weiß es nicht, weil ich mir eingeredet habe, dass ichs kann ? Das ich es darf ? Ich weiß es nicht..

24.12.2015 ( 107,6 kg )

Natürlich hab ich auch gleich nachdem ich erfahren habe das ich Schwanger bin aufgehört zu rauchen und zu trinken. Ich hab auch sofort meine Spritzen abgesetzt ! Ich hab damals zu der Zeit 1x die Woche Avonex i.m. ( in den Muskel ) gespritzt. Alles von jetzt auf gleich abgesetzt.. Doch es ändert nicht, dass ich in der „Früh-Schwangerschaft“ noch diese sche** spritzen genommen habe…

Die Geburt.. Ich habe mich damals für eine Wassergeburt entschieden. Wärme und Wasser haben mir immer gut getan, deswegen war ich mir sicher, dass es dieses Mal genauso gut sein wird.

Am 07.01.2016 bin ich morgens auf Toilette und entdeckte in meinem Schlüpfer leichte Bluttropfen. Mein Mann hatte Spätdienste ( war damals in der Ausbildung für die JVA Berlin ) , deswegen bin ich mit den öffentlichen Verkehrsmittel zum Krankenhaus gekugelt.. Dort angekommen habe ich ein CTG bekommen und wurde untersucht. Tja meine kleine hat mit ihrem Zeh die Fruchtblase durchstochen… Deswegen blieb ich im Krankenhaus, ich bekam wehen fördernde Infusionen und Penicillin. Da aber das Krankenhaus von gebärenden überfüllt war, wurde ich vom Tropf abgehangen und am nächsten Morgen ging es weiter. Der kleinen gings gut und das war das wichtigste. Gegen 18 Uhr ging es dann los mit Wehen..

Ich wollte eine Wassergeburt, die Wehen waren ganze Zeit. Nix da mit Pause dazwischen. Irgendwann wollte ich eine PDA denn ich hab schon ins Kissen gebissen. Doch die Hebamme wollte das ich erst einmal in die Wanne steige und wenn es weiter so schlimm wäre dann.. Bevor ich in die Wanne kam war der Muttermund kaum geöffnet, zwischendurch informierte ich natürlich meinen Ehemann.. Er kam, als das Köpfchen schon halb draußen war denn -> 1 Min nachdem ich in die Wanne gestiegen bin, öffnete sich der Muttermund auf 10cm und es hieß pressen..

Gott ich spüre den Schmerz nach 5 Jahren immer noch. Es ist grausam und wunderschön zu gleich und naja es ist eklig.. Es war für mich irgendwie so schlimm, dass ich damals mein aller ersten Herpes bekommen habe 🙂

Und dann, dann bleibt die Zeit still, die Hebamme legt dir dein Kind auf die Brust und du bist plötzlich Mutter. Du musst lieben.. Lieben ?? Ich hatte immer noch schmerzen, ich bin in der Badewanne mehrmals untergegangen, dass mein Mann mich hoch ziehen musste.. Ich war am ende, ich hatte keine Kraft und dann von 0 auf 100 lieben ?? Man ist soooo überfordert, und ganze ehrlich ( Mein Schatz ich liebe dich und deinen Bruder über alles ) aber ich fand sie so hässlich ( ja ich weiß was ich gerade schreibe, sie sah aber aus wie dieser crazy frog )… Ich hoffe meine kleine Prinzessin verzeiht mir diese Worte aber ich bin nun mal ehrlich.. Das waren meine ersten Worte „boze jak ona wyglada“ ( oh mein gott wie sie aussieht )…

Dann kam die „Kennenlernphase“ und meine Infusionen.. Immunglobuline, die mussten wir selber zahlen. Eine kostete knapp 1000 Euro !! Die Krankenkasse übernimmt es nicht, nicht in Berlin. Es gibt Bundesländer wo es übernommen wird. Für Krebskranke z.B wird es auch in Berlin übernommen, denn an denen konnte man Studien machen. An Schwangeren bzw. frisch entbundenen Frauen die Stillen kann man keine Studien machen, ist nicht „human“

Fuck off, ich habe die Infusionen genommen. Ich durfte stillen, denn es war so was wie ein Immunbooster, doppelte Abwehrkräfte. Uns ging es gut, trotzdem hatte ich ganz viel stress.

Ich hatte Angst Mutter zu sein, ich hatte an mich selbst ganz große Erwartungen. Ich wollte stillen, hatte aber leider nicht genug Milch somit musste ich zufüttern. Ich fühlte mich furchtbar, als ob ich versagt hätte, als ob ich eine Rabenmutter wäre..

Das war dieser Stress, dieser Stress der für mich tödlich ist. Er hat mich fertig gemacht, die Geldprobleme führten dazu, dass ich nicht 6 wie geplant nur 3 Infusionen nehmen konnte ( trotz allem -3.000€ !! ) Das alles, dieser Teufelskreis führte zu meinem Schub…

Diesen Schub nach der Geburt den 30% der Frauen in den ersten 3 Monaten nach der Geburt bekommen, diesen hatte ich dann auch. Nicht 3 Monate aber im 4 Monat wo ich die Immunglobulintherapie nicht mehr hatte…

Februar, 14.02.2016

Multiple Sklerose

Ich weiß nicht mehr genau welcher Tag es war aber ich weiß, es war Mitte Dezember.. Ich war mit meiner Mama beim Augenarzt. Ich hatte wieder diesen Nebel, diesen milchigen Schleier im Auge.. Es war nach 4 Jahren wieder da, ganz plötzlich und ohne Vorwarnung nur dieses Mal am rechten Augen..

Als es vor 4 Jahren am linken Auge war, hab ich vom Augenarzt Kortison bekommen und mir wurde damals nur gesagt, dass wenn es wieder kommen sollte ich direkt zum Augenarzt soll und nicht zu lange warten soll.. Mir wurde nicht gesagt, dass es MS sein könnte, ich wurde darauf nicht vorbereitet..

Um ehrlich zu sein, habe ich damals nie was von MS gehört.. Ich war Jung, gerade mal 20 Jahre alt und habe mich irgendwie unsterblich gefühlt.. Nichts desto trotz wurde ich vom Augenarzt zum Neurologen geschickt, dieser stellte mir nur eine Einweisung aus, machte paar Telefonate und schickte mich ins Bundeswehrkrankenhaus. Für „tests” , es viel immer noch Kein Wort zum Thema MS..

Im Krankenhaus wurde als aller Erstes eine Anamnese gemacht. Danach kam ein Neurologe, ein Zweiter und ein Dritter . Ich wurde gewogen, gemessen und untersucht. Ich bekam ein MRT vom Kopf und Rücken mit Kontrasrmittel.

Die Ärzte hatten einen Verdacht, wollten aber noch eine Untersuchung durchführen. Sie sollte ein bisschen „Unangenehm” sein.. Ein bisschen war gut, ich wróg damals über 115kg und somit erleichterte ich die Untersuchung auch nicht. Die Ärzte brauchten Liquor (Nervenwasser).. Wie bekommt man es und was ist es ? Eine Lumbalpunktion ist nichts anderes als eine Riesen Spritze und diese wird zwischen die Wirbel im Rücken gejagt.. Ich war Übergewichtigt, das erschwerte alles. Klar, man könnte es betäuben aber falls der Arzt gegen den Knochen kommen würde, würde es so oder so sehr schmerzen. Oh ja und wie..

Ich weiß nur, dass ich nach der Untersuchung Kreidebleich ins Zimmer kam und meine Mama aufschrie als sie mich gesehen hatte. Wieso ? Also so schlimm sah ich doch nicht aus, dann schrie Sie ganze Zeit dein Arm Blutet dein Arm… Ich habe mich Anscheind selber gekratzt, so tief das ich echt überall tropfte. Wie komisch doch der Mensch konstruiert ist, man fügt sich selbst schmerzen hinzu um andere nicht zu spüren bzw. um sich vom Hauptschmerz abzulenken..

Es folgten weitere Sehtest, Untersuchungen etc. Bis ich Mittags meine erste Infusion mit Kortison bekommen habe. Flash! Rotes Gesicht, innere Hitze, Übelkeit und mein Gesicht war so angeschwollen wie Ein Schwamm..

Am nächsten Tag die Diagnose. Multiple Sklerose! Unheilbar. Nervenkrankheit.
Ich wusste echt nicht um was es geht vor allem meine Mama. Wir sind ja Polen aber keine Sorge integriert. Doch irgendwelche Außergewöhnliche Krankheiten kennt meine Mama nun mal nur auf Polnisch…

Nachdem die Ärzte das Patientenzimmer verlassen habe griff ich sofort zum Handy und fing an zu googeln.. Eine Katastrophe. Vorwiegend Bilder von Menschen im Rollstuhl, Pflegebetten und weiß der Teufel. Nein, das konnte doch nicht sein. Ich Wurf mein Handy an die Wand als ich entsetzt die Stimme von meiner Mama gehört habe „Karolina“ . Ich erstarrte, wie soll ich ihr das erklären?

Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen, ich musste es ihr ja sagen. Ich durfte nicht weinen, ich musste stark sein und irgendwie ihr auch Mut machen. Ich musste sie schützen, sie hatte schon genug in ihrem Leben durchgemacht. Doch trotzdem, mit jedem Wort den ich aussprach sah ich wie aus ihrem Gesicht die Farbe entwich, wie ihr Augen sich mit Tränen füllten. Mein Herz zerbrach in tausende Stücke. Sie weinte, nicht wie ein Erwachsener sondern voller Schmerz wie ein kleines Kind. Sogar jetzt wo ich das alles schreibe, fließen meine Tränen. Doch damals hatte ich die Kraft meine Tränen aufzuhalten. Ich hatte die Kraft meine Mama noch aufzumuntern. Es wird alles wieder gut wiederholte ich ganze Zeit..

Abends, nachdem meine Mama nach Hause ist konnte ich endlich Zusammenbrechen. Wie ein Häufchen Elend lag ich im Bett und weinte bis ich kraftlos einschlief und jedes Mal wenn ich aufwachte weinte ich weiter. Bis ich irgendwann nicht mehr konnte und dann lag ich da und starrte die Decke an. Es war Pech schwarz im Zimmer. Es war immer noch Nacht. Welche Optionen hatte ich? Liegenbleiben? Selbstmitleid? So bin ich nicht, so war ich nie. Mir war bewusst geworden, dass ich kämpfen muss. Für mich aber auch für meine Mama.

Die anfängliche Euphorie wich als ich mich aufrichtete und plötzlich einen Schwindelanfall hatte. So stark das ich wieder ins Bett viel. Irgendwann hatte ich genug Kraft um ans Fenster zu gehen, ich zog die Vorhänge weg und stand da. Ich fing an zu beten „Vater unser im Himmel“ und „Gegrüßest seist du Maria“ ich fing wieder an zu weinen, ich schüttelte beiden mein Herz aus, ich sprach zu Gott und Maria, ich weinte, ich bettelte das es ein Albtraum ist, ich beschimpfte die beiden, ich sagte sogar für mich gibt es keinen Gott mehr und in diesem Moment sah ich es. Ich konnte meinen eigenen Aufen nicht glauben, wunderschöne und große Schneeflocken. Sie vielen vom Himmel. Es sollte nicht schneien, doch es schneite. Es schneite und die Flocken tanzten am Fenster.

Für mich war es ein Zeichen, ich war nicht allein. Ich wurde gehört und vielleicht angehört. Ich wusste, Gott hat also einen Plan. So verloren wie ich am Anfang war so war ich jetzt wieder voller Mut. Ich wusste, irgendwann und irgendwie wird alles wieder gut.